Brettfußball - ein Spieltitel, wie er einfacher und aussagekräftiger kaum sein könnte! Die Rede ist von einem Brett-Spiel, auf dessen Spielbrett eine Fußball-Simulation abläuft, ganz so wie auf dem großen Rasen. Und ebenso wie dort ist Spieltaktik und Strategie oft ausschlaggebend für den Erfolg, während der Unterlegene dennoch die Gründe in dem ihm abholden Glück suchen darf, denn ein Würfel bestimmt die Zugmöglichkeiten. Aber schließlich wird hier viel und oft gewürfelt, und so ist Glück eben bei weitem nicht alles.

Ein mir lieber persönlicher Spielefreund - die Rede ist von Walter Müller, mit dem ich mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts TwixT per Post spielte - ist vielen Spielern als Autor und Verleger guter Familienspiele bekannt, darunter Der Turm zu Babel, das von der Jury Spiel des Jahres lobend erwähnte Pferderennspiel Favoriten, das Schatzsucherspiel Flusspiraten und die von mir immer wieder gern hervorgeholte Entenrallye. Seine älteste Spieleschöpfung aber ist Brettfußball. Zu dem Spiel hat Walter eine eigene Website erstellen lassen: www.brettfussball.de

Das Spiel erblickte 1974 erstmals in kleiner Auflage das Licht der Spielewelt und zieht seitdem viele Spieler in Kempten, Walter's Heimatort, in seinen Bann. Dort spielen Jahr für Jahr über 50 Spieler ihren Meister aus. Die große überregionale Popularität ist dem Spiel bislang versagt geblieben, aber vielleicht hilft ja das WM-2006-Fieber endlich ein wenig nach.

Gespielt wird auf einem in 472 quadratische Felder unterteilten Spielplan. Beide Parteien haben je zehn Feldspieler, einen Torwart und dann ist da noch der Ball und - etwas untypisch gemessen am Vorbild - ein Würfel als Spielmotor. Abwechselnd wird gewürfelt. Mit der erzielten Zahl kann ein Spieler in Stellung gebracht werden oder, so er sich in Ballbesitz befindet, den Ball entsprechend weit schießen. Ein Angriff auf einen gegnerischen Spieler in Ballbesitz nötigt diesen zum sofortigen Abspiel, so dass der Ball oft im freien Feld landet und dort wieder in Besitz gebracht werden will. Alle Bewegungen - Mann wie Ball - laufen dabei nur geradlinig. Den Ball erreichen, eine Angriffskette aufbauen und erfolgreich zum Torschuss kommen ist somit vor allem eine taktische Herausforderung und ein Spiel mit Wahrscheinlichkeiten.

Je mehr Figuren eine Teilaufgabe erfüllen, umso eher werde ich erfolgreich sein, den Ball im vier Felder messenden Tor des Gegners versenken. Das ist so wie im großen Fußball, so dass das simple Herumrennen und Kicken nicht genügt, um eine Meisterschaft zu erringen. Man sieht es dem Spiel von außen eben nicht an, wie die Fieberkurve während des Spiels verläuft :-)

Im Jahr 2006 mit der Fußball-WM in deutschen Stadien hat Walter eine Turnierserie organisiert, die zur Durchführung des ersten Turniers um den "Hiesfelder Brettfußball-Cup" mit zwölf Mitspielern führte. Und während ich dies hier schreibe (im Februar 2006) und der erste Spieltag dieses Turniers noch nicht beendet ist, wage ich schon die Prognose, dass dies nicht unser letztes Turnier ist und sich in kommenden Jahren weit mehr Spieler daran beteiligen werden. Zugegeben: auch ich habe erst durch dieses Turnier den Zugang zu diesem Spiel gefunden und kann nur bestätigen, dass hier sehr viel Spielspaß drinsteckt. Macht mit!

Hartmut